Hummelwiese
Julia Königs       Mittwoch,09.05.2018 | 9:40 Uhr

HummelwieseRezension

Origin

Dieser Beitrag ist als freiwillige Leistung in der Lehrredaktion am Fachbereich Medien entstanden.

„Origin“ von Dan Brown

Das fünfte Rätselabenteuer von Dan Brown steht seit Wochen auf den internationalen Bestsellerlisten. In gewohnter Manier begleiten wir den Harvard Professor für Symbologie, Robert Langdon, bei seiner einer 24-stündigen Jagd nach der Lösung eines Rätsels durch einen historienumworbenen Teil von Europa. Doch wo die vergangenen Abenteuer um Langdon noch mitreißen, hat sich Brown jetzt etwas weit aus dem Fiktionsfenster gelehnt.

von Julia Königs

Wo kommen wir her? Wo gehen wir hin? Kaum geringere Fragen sind es, mit denen Dan Brown seine Leser in Origin einfangen und auf die Schnitzeljagd durch Spanien mitnehmen will. Die Handlung beginnt vielversprechend:
Robert Langdon gehört zu einer Gruppe von auserwählten VIPs aus Wissenschaftlern, Visionären und Milliardären, die dem Ruf von Edmond Kirsch folgen und sich im futuristischen Guggenheim Museum in Bilbao einfinden. Kirsch, ein ehemaliger Student von Langdon und Computer-Genie, will eine weltverändernde Entdeckung preisgeben, die Antworten auf die entscheidenden Fragen der Menschheit geben soll. Es könnte sich bei Kirsch um einen sympathischen, hochintelligenten Mann handeln, doch Brown fusioniert ihn mit Elon Musik, Mark Zuckerberg, Steve Jobs, Stephen Hawking und anderen Vordenkern der Neuzeit, der scheinbar eine Vorliebe für überdramatisierte TED-Talks hat.

Sind die ersten 100 Seiten geschafft, wollen wir endlich wissen: Was hat Kirsch denn nun herausgefunden? Aber Brown hält uns mit einem wenig tiefgründig in die Handlung eingewobenen „Bitte bleiben Sie dran, nach dem nächsten Werbeblock geht es weiter“ auf Trab.
Natürlich kommt es auch dann nicht zur Enthüllung, als Kirsch endlich die Bühne betritt. Assassinen, Mordanschläge und religiöse Fanatiker der Palmarianer (eine Gemeinschaft, die sich als wahre katholische Kirche ansieht und heute der Häresie bezichtigt wird) kommen mit ins Spiel, in dem Langdon die Aufgabe erhält, das Passwort zur PowerPoint Präsentation seines ehemaligen Studenten zu finden, damit die Welt (und der Leser!) nicht länger auf Kirschs Entdeckung warten muss. Natürlich besteht es aus 47 Zeichen aus einem Gedicht, das Langdon leider nicht aus seinem eidetischen Gedächtnis abrufen kann.
Wie immer hat Langdon die weibliche Nebenfigur an seiner Seite: Die atemberaubende Fernsehberühmtheit und Verlobte des Spanischen Thronfolgers. Während Langdon und besagte Dame vor weiteren Abschlägen und Verhaftungen quer durch Spanien hasten, mal zu Fuß, mal mit dem Jet, mal mit dem neuen Tesla X, fragt man sich, ob das Spiel mit der Idealfrau an Langdons Seite nicht langsam überfällig wird. Wann findet der Nachwuchsschatzjäger endlich seine eigene Lara Croft?
Besonders an Origin ist, dass Langdon neben Möchtegern-Lara einen zweiten Agenten an seiner Seite hat: Winston, eine von Edmond Kirsch entwickelte Künstliche Intelligenz, die den Turing Test nur belächeln würde.

Es ist der krampfhafte Versuch, aktuelle Trendthemen wie Künstliche Intelligenz, Terrorismus, Transhumanismus und Computertechnik in einen Roman einzubauen, der zwar spannend, aber oft überzeichnet wirkt. Die Rätsel, die der Protagonist zu lösen hat, sind weniger nervenaufreibend als beispielsweise in Illuminati, in dem Langdon schon mal in den Vatikanischen Museen fast einem Mordanschlag zum Opfer fällt.

Es überwiegt das Gefühl, der Autor wolle extreme Mengen seiner Recherche in Origin unterbringen. Die Informationen über das Spanische Königshaus, die Auseinandersetzungen der Weltreligionen und die modernde Kunst überladen den Plot zeitweise. Warum muss Langdon denn immer alles wissen? Und warum braucht er nun noch eine Intelligenz, die seine Wissenslücken füllen kann? Warum kann Winston die Protagonisten aus jeder noch so hanebüchenen Situation herausholen?
Endlich am Wendepunkt der Geschichte angekommen, ist die Enthüllung eher ein Stupser denn ein Urknall. Das einstmals schöne Rätselraten aus „Da Vinci Code“ ist ein bisschen verpufft, trotz kurzweiliger Unterhaltung.
Natürlich ist Origin bei all dem kunterbunten Technologiefest nur Fiktion und kein gesellschaftskritischer Historienschmöker. Und das ist auch gut so.

Origin
von Dan Brown

Coverbild - Origin
Bastei Lübbe
672 Seiten, gebunden, EUR 28,00
ISBN 978-3431039993

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