Kieler Straße
Jessica Schulz       Sonntag,29.04.2018 | 8:39 Uhr

Kieler Straße

Hörbucher: Tot oder lebendig?

Dieser Beitrag ist als Prüfungsleistung im Wahlmodul "Frankfurter Buchmesse" entstanden. Als Teil der Prüfung im Wintersemester 2017/18 wurde er weder redaktionell bearbeitet noch redigiert. Er ist eine rein studentische, eigenständig erstellte Leistung.

 
 

Hörbucher: Tot oder lebendig?


Heike Völker-Sieber leitet die Presse-und Öffentlichkeitsarbeit beim „Hörverlag“. Sie ist bereits seit 16 Jahren im Geschäft und hat sich daher als Expertin rund um den Hörbuchmarkt etabliert. In einem Gespräch mit der Pressesprecherin hat die Linie 11 um die Bedeutung des Audiobooks erfahren.

Heike Völker-Siebert mit den Reportern der Linie 11

Heike Völker-Sieber, Pressesprecherin des Hörverlags, spricht mit Jessica Schulz über die Zielgruppe, Entwicklung und Digitalisierung des Hörbuches.


Das Hörbuch ist die Kunst des Geschichtenerzählens. Kein anderes Medium lässt durch eine bloße Stimme vergleichbare Bilder im Kopf entstehen. „Manches kann ein gedruckter Text einfach nicht im gleichen Maße wie ein Hörbuch rüberbringen“, sagt Völker-Sieber. Man stelle sich vor: ein Sonntagnachmittag, eine heiße Tasse Tee und ein gutes Hörbuch. Mit einem Klick wird das Wohnzimmer zu Hogwarts und man spielt mit Harry Potter Quidditch. Mit dem Hörbuch kann man überall sein, nicht nur in einer Zauberschule. Aber sind Audiobooks überhaupt noch zeitgemäß oder liegen diese inzwischen verstaubt im Keller?


„Wir leben momentan in einer idealen Hörbuchwelt“, so Heike Völker-Sieber. Früher habe sie den Verbrauchern erklären müssen, dass das Hörbuch viel mehr als eine reine Notlösung zum klassischen Buch ist. Heute nutzt laut einer BITKOM-Studie aber schon jeder Dritte das Audiobook. Dabei ist die Zielgruppe jünger, gebildeter und verfügt über ein höheres Einkommen als damals. „Die meisten Kunden haben mindestens Abitur“


BITKOM ist ein Verband der Digitalunternehmen, an dem sich 2500 Betriebe beteiligen. Kurz vor der Frankfurter Buchmesse veröffentlichte der Verband eine neue Studie, die sich mit der Entwicklung vom E-Book und dem Hörbuch beschäftigte. Herauskam, dass während das E-Book stagniert, das Hörbuch boomt.


Vor allem die Verbreitung von Smartphones und Tablets hat zum Wachstum des Hörbuchmarktes beigetragen. „Unser Ausstoß hat sich verdoppelt“, berichtet die Expertin. Das Audiobook hat Glück, denn es wird häufig neben einer anderen Tätigkeit gehört. Ob beim Sport, beim Hausputz oder beim Fahren mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, die mobile Nutzung nimmt zu. Diese Entwicklung spiegelt sich auch im Abspielmedium wieder. Während das CD-Geschäft stabil ist, wächst das Downloadgeschäft zweistellig. Im digitalen Segment ist Audible der Marktführer, im physischen Markt dominiert hingegen der Hörverlag. „Wir veröffentlichen ca. 150 Neuerscheinungen im Jahr auf CD dazu kommen mehr als 100 Produktionen im Download-Bereich“, sagt Völker-Sieber.


Im CD-Geschäft werden dabei immer mehr Produktionen im MP3-Format herausgegeben. Dadurch können die Lesungen ungekürzt an den Nutzer gehen. Vorteilhaft sind auch der geringere Rohstoffverbrauch, die niedrigeren Lagerkosten sowie die günstigeren Preise. Für den Kunden besteht außerdem die Möglichkeit den Content auf mobile Endgeräte zu ziehen und so auch unterwegs das Hörbuch genießen zu können.


Eine gute Ausstattung der Hörbuchboxen ist eine wichtige Voraussetzung, um den physischen Markt weiterhin zu stabilisieren. „Wir bemühen uns von den Stecktaschen bis zu den CD-Labels alles ganz liebevoll zu gestalten. Wir müssen zeigen, warum jemand für eine CD-Box 100 Euro ausgeben soll, wenn er sich Vieles auch herunterladen kann“


Dass das physische Geschäft in Deutschland noch so dominiert, ist aber keineswegs der Normalfall. In Amerika und England gibt es beispielsweise so gut wie keine CDs mehr. Das hängt in Deutschland vor allem mit der Tradition des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zusammen. „Rundfunk hat schon immer Hörspiel gemacht. Früher saßen die Familien am Lautsprecher und haben zusammen den spannenden Geschichten gelauscht. Das heißt die Menschen kennen es und fragen es auch nach“ Generell ist der deutsche Markt sehr speziell. In keinem anderen Land geben die Formate so eine Bandbreite her wie hier.


Neben der CD und dem Download arbeiten die ersten Verlage bereits mit Streaming-Portalen wie Spotify und Deezer zusammen. Vor allem die kleineren Verlage haben bereits 85% digitalen Anteil. Völker-Sieber findet jedoch: „Das Geschäftsmodell des Streaming kommt aus der Musik und passt daher noch nicht nahtlos zum Hörbuch. Wir testen es bisher nur an einzelnen Stellen“


Egal in welcher Form, Hörbücher sind lebendiger als je zuvor. Heike Völker-Sieber ist sich sicher: „Hörbücher werden bleiben, denn die Menschen werden immer spannende Geschichten wollen“



Heike Völker-Sieber über den Beruf der Pressesprecherin


Heike Völker-Siebert mit den Reportern der Linie 11

Die Pressesprecherin teilt auf der Frankfurter Buchmesse ihre langjährige Berufserfahrung mit angehenden Medienschaffenden.

Frau Völker-Sieber, Sie sind nun schon seit 16 Jahren beim „Hörverlag“ als Pressesprecherin. Wie würden Sie ihre Hauptaufgabe beschreiben?


Unsere Aufgabe ist der Kontakt zu den Medien, von Yellow-Press über Blogger hin zum Feuilleton.


Welchen Tätigkeiten gehen Sie noch in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit nach?


Wir organisieren Veranstaltungen. Eine Kollegin ist außerdem in der Social-Media-Arbeit involviert. Ansonsten erledigen wir natürlich alltägliche Routineaufgaben. Wir verschicken Kataloge sowie Rezensionsexemplare und beantworten Anfragen. Außerdem gehe ich viel auf Reisen. Ich besuche die Redaktionen und spreche vor Ort mit den Verantwortlichen. Für unsere Arbeit ist es extrem wichtig zu wissen, welche Themen und Probleme die Journalisten beschäftigen. Nur so weiß ich, wie ich helfen und die richtigen Inhalte anbieten kann.


Sie arbeiten also mit Bloggern und den klassischen Journalisten zusammen. Werden Blogger denn immer wichtiger in der Branche?


Es kommen immer mehr Bloggeranfragen. Hier profitieren wir durch unser Bloggerportal. Die Blogger können sich dort anmelden, es werden ihnen Titel vorgeschlagen und sie wissen, wer ihr Ansprechpartner ist. Wir, hinter den Kulissen, haben dagegen den Vorteil zu sehen, welche Kommentare die Kollegen aus den anderen Verlagen den Bloggern gegeben haben. Das heißt: Schicken diese den Bloggern etwas zu? Kommen daraufhin Belege? Wie schätzen diese die Blogger ein? Auf den Messen finden dann meist auch noch Treffen statt. Das heißt der Kontakt ist schon sehr intensiv. Aber man kann bei Weitem nicht sagen, dass Blogger die klassischen Journalisten ersetzen!
Wenn man beispielweise eine Dichterlesung von Thomas Mann hat, braucht man das Feuilleton: also Die FAZ, Die Zeit, Die Süddeutsche und den Rundfunk. Es ist also ein Zusammenspiel von sämtlichen Kanälen. Das erschwert uns in der Presseabteilung natürlich auch die Arbeit. Wir müssen die Blogger zusätzlich auf eine ganz andere Art pflegen und bedienen.


Sie nutzen vermutlich auch die Frankfurter Buchmesse zum Netzwerken mit Bloggern und Journalisten. Was machen Sie noch auf der Messe?


Dieses Mal hatte ich beispielweise eine Interviewanfrage vom RTL-Nachtjournal zum boomenden Hörbuchmarkt und wurde auch sonst viel zur Marktentwicklung befragt. Außerdem stellen wir Journalisten das Programm fürs nächste Frühjahr vor. Wichtige Aufgaben sind auch die Rund-um-die-Uhr-Betreuung der Künstler und die Autorenpflege. Das heißt, dass man die Autoren beispielsweise zu einer Lesung begleitet, ihnen ein Glas Wasser holt und schaut, ob die Technik funktioniert. Abends hat man zusätzlich Termine mit Geschäftspartnern. Es geht viel um das Vertiefen und Pflegen von Kontakten. Die Frankfurter Buchmesse ist also wahnsinnig abwechslungsreich, aber auch anstrengend. Man führt unglaublich viele tolle Gespräche und knüpft neue Kontakte!


Zur Bewältigung dieser Aufgaben, braucht es doch bestimmt die richtigen persönlichen Voraussetzungen. Welche Eigenschaften sollten zukünftige Pressesprecher Ihrer Meinung nach besitzen?


Als allererstes sollte man kommunikativ sein. Das ist das Wichtigste! Vielleicht habe ich eine altertümliche Einstellung, aber ich sehe Pressearbeit auch absolut als Serviceleistung nach außen. Das heißt es ist wichtig zu erfahren, unter welchen Bedingungen Journalisten heute arbeiten. Dafür schaue ich auch immer wieder in Redaktionen vorbei und knüpfe persönliche Kontakte. Man sollte also ein möglichst plastisches Bild vom Gegenüber entwickeln, sodass man den Journalisten punktgenau etwas anbieten kann, was sie interessiert. In der Pressearbeit sollte man zudem schnell und hartnäckig sein. Manchmal muss man nur versuchen ein zehn-Minuten-Gespräch bei einem Medium zu bekommen und daraus werden dann ganz schnell 1 ½ Stunden. Natürlich sollte man sich mit den Journalisten auch auf Augenhöhe begegnen. Wichtig ist es also, freundlich aber bestimmt aufzutreten. Dabei sollte man jedoch nicht überheblich werden.


Was heißt das zusammenfassend?


Bei unserer Arbeit geht es im Großen und Ganzen darum, alles möglich zu machen, was ein Journalist sich wünscht. Im gleichen Atemzug sollte man außerdem wissen, was er sich wünschen könnte. Das heißt Service, Service, Service!


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