Dreiecksplatz
Susann Meier       Sonntag,23.06.2013 | 18:52 Uhr

DreiecksplatzProjektarbeit, Master Multimedia Production, 2. Semester

Friede, Freude, Förde Fräulein!

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Foto: Stephan Schöneberg

Merle bloggt als Förde Fräulein über schöne Dinge in ihrer Heimatstadt Kiel. Die 25-Jährige hat uns ihren Lieblingsplatz im Schrevenpark gezeigt (Psst, geheim!) und uns verraten, was sie glücklich macht. Merle Primke wusste schon als Kind, womit sie später ihr Geld verdienen möchte: Schreiben und Fotografieren. Was noch vor ein paar Jahren ein Hobby war, wurde durch das Bloggen zum Beruf. Heute besuchen stolze 20.000 Internetnutzer im Monat ihren Blog „Förde Fräulein“, auf dem sie gemütliche Cafés, besonders stilvolle Wohnungen oder kunterbuntes Allerlei vorstellt. Bei unserem Treffen an einem warmen Junitag steht sie zur Abwechslung mal selbst im Mittelpunkt. Die 11: Welche drei Worte beschreiben dich? Merle: Hm, das ist schwer. Auf jeden Fall verträumt. Detail-verliebt. Und vielleicht innovativ. Die 11: Inwiefern bist du verträumt? Merle: Ach, ich bin einfach immer auf Details fixiert und eine kleine Träumerin. Ich habe zum Beispiel andauernd irgendwelche neuen Projektideen und träume mich dabei so ein bisschen durch den Tag. Genau das versuche ich gerade beim Fotografieren auch rüberzubringen. So wie ich fotografiere, sehe ich die Welt. Klingt zwar ein bisschen naiv, aber genauso ist’s. Die 11: Das Förde Fräulein ist ziemlich erfolgreich. Wie kamst du auf die Idee für den Blog? Merle: Ich hatte damals ja bereits meinen privaten Blog Schnuersenkelrolltreppentod.blogspot.com, der schon ziemlich erfolgreich lief. Mir kam dann irgendwann die Idee, das Ganze speziell auf lokaler Ebene hier in Kiel zu machen und habe daraufhin einfach mal eine E-Mail mit meinem Vorhaben an den Falkemedia Verlag geschickt. Die waren total offen für mein Projekt, haben mir erst mal ein Praktikum angeboten und dann später extra für mich eine Volontariats-Stelle geschaffen. Ich hätte wohl auch eine Festanstellung bekommen, mir war aber wichtig, ein Volontariat zu machen, um an Seminaren der Akademie für Publizistik teilnehmen zu können.
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Foto: Stephan Schöneberg

Die 11: Das heißt, dass du nicht nur bloggst, sondern auch redaktionell arbeitest? Merle: Genau. Ich betreibe hauptsächlich meinen Blog, aber arbeite auch bei den Magazinen von Falkemedia mit, da mache ich zum Beispiel die Fotoreportagen. Ich mache aber auch viel im Bereich Online-Marketing, betreue die Facebook-Seiten, oder mache Produktrecherchen für verschiedene Magazine, wie zum Beispiel Sweet Paul. Und dann blogge ich ja auch noch privat. Die 11: Wie bist du denn generell zum Bloggen gekommen? Und wie kommt man auf so einen lustigen Namen wie „Schnürsenkelrolltreppentod“? Merle: (lacht) Das wurde ich schon oft gefragt und ich muss ganz ehrlich sagen: Ich weiß es leider nicht mehr. Den Schnürsenkel-Blog habe ich vor knapp vier Jahren gegründet. Zu dem Zeitpunkt ging’s mir nicht so gut und ich brauchte ein Ventil, um meine Kreativität rauszulassen und meine Projektideen zu verwirklichen. Ich habe mit den Werbeeinnahmen dann schnell so viel verdient, dass ich davon leben konnte. Das hätte ich vorher nicht gedacht. Ich musste mich aber schon sehr dahinterklemmen und viele Leute kontaktieren und irgendwann war das dann ein Selbstläufer. Oft musste ich bei der Werbung auch abwägen, ob das überhaupt zu mir und meinem Blog passt, oder die Leser eher nervt. Die 11: Was verbindest du mit Kiel? Merle: Ich hab mich früher nie wirklich wohl in Kiel gefühlt, auch wenn ich hier geboren wurde. Ich wollte auch eigentlich nach Hamburg ziehen, aber da kam dann immer was dazwischen. So richtig glücklich war ich hier aber nicht und ich hab die Meinung von vielen geteilt, dass man hier nichts unternehmen kann und die Stadt jungen Leuten nichts bietet. Ich bin aber ein optimistischer Mensch, der denkt, dass man immer das Beste aus jeder Situation machen muss, und da wollte ich mir und anderen in den Hintern treten und das Gegenteil beweisen. Seitdem ich den Förde Fräulein Blog schreibe, fühle ich mich hier tatsächlich richtig wohl und hab nicht mehr so den Drang, hier weg zu wollen. Das liegt auch daran, dass ich durch den Blog so tolle Leute kennengelernt habe. Mit vielen habe ich noch immer Kontakt. Das liegt mir auch am Herzen. Die 11: Weißt du, wer den Förde Fräulein-Blog liest? Merle: In erster Linie Studenten, aber es ist schon gemischt. Leute, die neu hergezogen sind zum Beispiel, die auch dankbar für Tipps sind. Aber auch Leute, die in Kiel geboren sind, die viele Sachen noch gar nicht kannten. Ich kriege andauernd so süße E-Mails, in denen mir Leute schreiben, dass der Blog was in ihren Köpfen verändert hat und sie endlich mal was in Kiel unternehmen. Die 11: Die Fotos für deine Blogs machst du selbst. Wo hast du das gelernt? Merle: Das habe ich mir selbst beigebracht. Am Anfang habe ich viel mit einer Kompakt-Kamera fotografiert und lange auf eine Spiegelreflex gespart. Als ich die hatte, hab ich mir viele Tutorials angeschaut und einfach ein bisschen rumprobiert. Das ist eine richtige Leidenschaft für mich geworden. Die 11: Wo muss man in Kiel auf jeden Fall mal gewesen sein? Merle: Auf jeden Fall im Resonanz. Das ist ein ganz zauberhaftes Café mit Teekannen-Lampen an der Decke und vielen alten Holztischchen. Danach dann am besten ab in die Seebar, die wurde gerade mit sehr viel Liebe renoviert und die Lage, direkt auf der Förde, ist einfach unschlagbar. Die 11: Hast du auch einen Geheimtipp, also einen Ort, den kaum einer kennt? Merle: Dieser hier! (lacht) Ruhige Plätze im Grünen mag ich sehr gerne. Der alte Botanische Garten ist auch wunderschön. Die 11: Du berichtest ja viel über Orte, die man tagsüber besuchen kann. Wo findet man dich nachts an den Wochenenden? Merle: Im Irish-Pub in der Berger! Ich wollte demnächst aber auch mal in den relativ neuen Detail-Club, da ich von diesem schon so viele gute Sachen gehört habe. Ansonsten finde ich das Weltruf ganz cool, vor allem wegen der alten Schiffseinrichtung, die ist einfach nur genial. Die 11: Gibt’s dann bald vielleicht eine Rubrik namens „Nachtleben“? Merle: Ja! Das habe ich mir auf jeden Fall fest vorgenommen, da kommt bald garantiert was.
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Foto: http://foerdefraeulein.de

Die 11: Hat Kiel Potenzial eine Trendstadt wie Hamburg oder Berlin zu werden? Merle: Nee, das glaube ich nicht. Kiel hat auch irgendwie die Arschkarte gezogen, weil Hamburg so nah dran ist. Ich sehe Kiel immer als kleinen Bruder von Hamburg. Die geilen Bands werden immer nach Hamburg kommen, nur ab und zu verirren sich mal wirklich ansprechende Künstler nach Kiel. Mir haben aber auch schon mal Leute geschrieben, die von Hamburg extra nach Kiel fahren, um beispielsweise ins Lunatique zu gehen, weil es da 80 verschiedene Teesorten gibt. Kiel hat sich in den letzten Jahren auf jeden Fall gemacht und ich möchte auch weiterhin die kleinen Läden hier unterstützen, die in meinen Augen wirklich etwas Besonderes sind. Linie 11: Du besuchst seit kurzem auch Wohnungen, die besonderen Charme haben. Wie wirst du auf die aufmerksam? Merle: Ich guck mir gerne die Facebook-Profile und Instagram-Fotos meiner neuen Leser an. Da fallen mir manchmal tolle Fotos und interessante Menschen auf, die ich dann einfach kontaktiere. Außerdem schreiben mir mittlerweile auch Leute, die mich dann zu sich nachhause einladen. Das Ganze macht mir total viel Spaß, weil es so persönlich ist, da stecke ich richtig Herzblut rein. Ich habe die Hoffnung, dass diese Art von Artikel die Kieler ein Stück weit verbindet, da es einfach spannend ist, zu erfahren, was für individuelle und interessante Leute hinter den Fassaden leben.
Foto: Merle Primke

Foto: (c)SoulPicture | Kiel

Linie 11: Wie sieht’s bei dir zuhause aus? Merle: Ich stehe total auf Vintage, 50er Jahre und den skandinavischen-Stil. Früher bin ich auch noch richtig gern in Trödelläden gegangen, aber mittlerweile ist der Spaß leider recht teuer geworden. Momentan habe ich richtig Lust, meine komplette Wohnung umzugestalten, aber dazu fehlt im Moment leider das Geld. Ich persönlich finde es sehr wichtig, dass die Wohnung die eigene Persönlichkeit widerspiegelt. Linie 11: Gibt es denn Lieblingsstücke in deiner Wohnung, die du nie wieder hergeben würdest? Merle: Ich bin aber ganz verliebt in die Drucke von dem Künstler Michael Sowa, die an meiner Wand hängen. Und ich hab so einen alten Hocker vom Trödelmarkt, mit einem kitschigen Stoffbezug. Den liebe ich. Die 11: Du hast ja schon einige Lokale und Orte in Kiel besucht und portraitiert. Gibt es überhaupt noch interessante Orte, über die du noch nicht gebloggt hast? Merle: Da hatte ich am Anfang auch Bedenken. Aber ich hab in den letzten Monaten festgestellt, dass immer wieder etwas Neues zu entdecken gibt. Ich versuche auch gerne, Sachen zu strecken, indem ich sie aus verschiedenen Perspektiven beleuchte. In der Seebar wird bald zum Beispiel Yoga angeboten, das möchte ich mir dann gerne noch mal angucken. Die 11: Also gibt es das Förde Fräulein auch noch eine Weile? Merle: Auf jeden Fall! Die 11: Dein Volontariat läuft ja jetzt noch fast zwei Jahre. Wo siehst du dich in 5 Jahren? Merle: Ich entwickle mich ständig weiter, deshalb ist das Alles gerade noch nicht absehbar. An welchem Ort ich mich in ein paar Jahren wiederfinde, sehe ich dann. Irgendwann zieht es mich aber bestimmt für eine Weile nach Hamburg, weil ich die Stadt einfach liebe. Für das Förde Fräulein plane ich jetzt, erst mal Orte zu besuchen, die man von Kiel aus gut erreichen kann. Kopenhagen zum Beispiel. Auf jeden Fall ist das, was ich jetzt mache, genau mein Ding. Und daran wird sich auch nichts ändern.
Foto: Stephan Schöneberg

Foto: Stephan Schöneberg

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