Hummelwiese
Stephan Schöneberg und Susann Meier       Mittwoch,12.06.2013 | 15:00 Uhr

HummelwieseProjektarbeit, Master Multimedia Production, 2. Semester

„Mein Gegner interessiert mich nicht!“

Persteasy

Foto: YouTube

Ein Auftritt auf dem Splash!-Festival, eine Deutschlandtour im Herbst, der Fanshirt-Verkauf brummt: bei Persteasy läuft’s. Der Kieler Rapper macht arroganten Poser-Rap und verteilt verbale Schellen im größten deutschen Online-Rap-Turnier. Wir haben nachgemessen, wie hoch er seine Nase wirklich trägt, und gefragt, wer sich hinter der großen Sonnenbrille versteckt. Deutschlandweit bekannt geworden ist Marius (26) aka Persteasy durch das Video Battle Turnier (VBT) der Hiphop-Plattform rappers.in. Allein auf seinem eigenen YouTube-Kanal hat er mittlerweile gut 2,7 Millionen Klicks gesammelt. Wenn er gerade kein Video dreht, studiert er Germanistik und Sport im Master an der Uni Kiel. Wir haben Steasy auf ein Carlsberg im JuMe getroffen und ihn interviewt: Die11: In der Fachpresse bist du ja regelmäßig vertreten. Sind lokale Medien bisher auf dich aufmerksam geworden? Persteasy: Ich bin ja schon aufgetreten in Kiel, darüber wurde dann auch ein bisschen geschrieben. Aber lokale Presse noch nicht so wirklich. Die11: Seit wann rappst du und was war der Anlass? Persteasy: Da muss ich weit zurückblicken. Ich würde schätzen, so seit 2003, 2004. Angefangen hat das Ganze mit einer Battle-Arena im Internet, der RBA. Da battlet man, ähnlich wie beim VBT nur ohne Video, gegen andere Leute. Da gibt es dann eine Tabelle, in der man auf- oder absteigt. Da habe ich angefangen. In der RBA habe ich es aber nie in dem Maße betrieben wie ich es jetzt die letzten zwei Jahre beim VBT gemacht habe. Beim VBT habe ich gleich im ersten Jahr 2008 mitgemacht. Davon habe ich irgendwie nebenbei mitbekommen, ‘n billiges Video gedreht und eine Runde mitgemacht. Die11: Was sind deine musikalischen Einflüsse? Persteasy: Ich höre die unterschiedlichsten Musikrichtungen, also auch Indie, Electro, Dubstep, alles Mögliche. Angefangen habe ich mit den Beginnern, so Generation Fünf Sterne deluxe. Ich höre von allem ein bisschen, glaube aber trotzdem, dass ich meinen ganz eigenen Stil habe. Die11: Wie würdest du deine Musik Menschen beschreiben, die dich nicht kennen? Persteasy: Das wäre in erster Linie Battlerap, weil ich das in letzter Zeit vornehmlich gemacht habe. Ansonsten bin ich aber relativ facettenreich. Auf den „Midnight City“-Beat habe ich zum Beispiel mal was gemacht. Da wird es aber in nächster Zeit wohl auch mehr von geben, weil ich zur Zeit nicht mehr so Bock auf Battlerap habe. Mal gucken, was da für Tracks bei rauskommen.
Persteasy im Interview

Foto: Susann Meier

Die11: Wie beurteilst du die Kieler Rap-Szene? Persteasy: Das ist relativ schwierig. Es gibt in Kiel schon ein paar Leute, aber die Szene war vor drei, vier Jahren noch ein bisschen größer. Die Leute, die damals hier Rap-Musik gemacht haben, machen jetzt andere Musik oder haben sich komplett zurückgezogen. Persönlich kenne ich echt nicht viele Rapper aus Kiel, die erwähnenswert wären. Eine richtige Szene gibt es also nicht. Die Hiphop-Parties laufen aber supergut, aber vom kreativen Output her könnte es durchaus mehr sein. Ich identifiziere mich aber schon mit Kiel und vielleicht kommt auch musikalisch mal irgendwas in der Richtung. Ich mag die Stadt. Die11: Ist es nicht sogar gut für dich, dass hier raptechnisch nicht so viel los ist? Persteasy: Das kann man so sehen, vielleicht ist das für mich sogar gut, aber ich würde mir schon wünschen, dass hier ein paar mehr Leute wären, mit denen man auch mal zusammenarbeiten könnte. Die11: Aber verliert die Regionalität bei einem Online-Turnier nicht ohnehin an Bedeutung? Persteasy: Natürlich hat man durch die Online-Videos die Möglichkeit, viel mehr Leute zu erreichen und sich so eine deutschlandweite Fanbase zum Beispiel über Facebook aufzubauen. Früher hatte man es halt viel schwerer. Dadurch, dass das VBT deutschlandweit gesehen wird, ist es so, dass man nicht mehr auf den lokalen Raum beschränkt ist. Wenn ich aber gucke, woher meine Facebook-Fans so kommen, steht Kiel schon an erster Stelle. Die11: Wirst du oft erkannt? Persteasy: Ja, das kommt inzwischen öfter vor. Meistens ist es auch ganz entspannt, viele wollen einfach ein Foto machen. Das mache ich dann auch. Viele kenne ich auch persönlich, Kiel ist halt klein. Wenn irgendwelche 16-Jährigen mich anschnacken, passiert das abends in der Bergstraße. Das ist mittlerweile jedes Mal so. Die11: Wie groß ist der Arbeitsaufwand für ein Video für das VBT? Persteasy: Der Arbeitsaufwand ist immer sehr unterschiedlich. Für die Finalvideos war der Aufwand schon sehr krass, vor allem für das letzte Video in der Rückrunde. Da bin ich extra nach Düsseldorf gefahren. Aber ich wollte da sowieso mal hin und mir die Stadt angucken, deswegen hat das ganz gut gepasst. Was das Texten angeht, ist es auch immer unterschiedlich: Bei manchen Runden geht mir der Text so von der Hand und ist in zwei Stunden fertig und manchmal sitze ich anderthalb Wochen dran und nehme nicht auf, weil ich noch nicht zufrieden bin. Insgesamt ist es aber schon aufwändig: Wir schneiden meistens fünf Stunden Minimum. Der Videodreh selbst geht oft relativ fix, manchmal in zwei, drei Stunden, gerne auch mal verkatert. Die11: Wie sehen die Arbeitsschritte bei so einem Video aus? Persteasy: Zuerst muss ich den Text schreiben und einen Beat picken. Dann treffen wir uns im Team und besprechen, was wir so für Ideen haben. Dann Dreh und Schnitt. Die11: Schreibst du auch Texte, wenn du gerade keinen Gegner im VBT hast? Persteasy: Wenn mir irgendwas Gutes einfällt, schreibe ich das immer auf mein Handy – ob Track-Ideen oder einzelne Lines. Wenn ich das nicht machen würde, wären einige Tracks gar nicht so entstanden. Die11: Wählst du den Beat, der dir am besten gefällt, oder den, von dem du denkst, dass dein Gegner am wenigsten drauf klarkommt? Persteasy: Auf jeden Fall den Beat, der mir am besten gefällt und der mir am ehesten liegt. Ich denke bei der Auswahl nicht an meinen Gegner. Allerdings ganz im Gegensatz zu meinen Gegnern, die sich da in dieser VBT Splash! Edition offenbar schon Gedanken gemacht haben.
Persteasy im Interview

Foto: Susann Meier

Die11: Braucht man ein gewisses Aggressionspotential, um im VBT so viele Battletracks am Stück zu machen? Persteasy: Man braucht auf jeden Fall Durchhaltevermögen. Aggressionspotential habe ich eigentlich nicht. Ich bin ja auch nicht so der aggressive, sondern eher der arrogante Rapper, würde ich sagen. Das ist eher so meine Art zu battlen. Die11: Wie ist der Kontakt zu den anderen Teilnehmern? Persteasy: Das ist gemischt. Die meisten kenne ich persönlich. Akne zum Beispiel kenne ich schon ewig. Mit dem habe ich mit 16 schon rumgehangen. Gegen ihn musste ich gleich in der ersten Runde ran, das war nicht so schön. Andererseits war mein Text gegen ihn auch in zwei Stunden fertig (grinst). Meinen Finalgegner jetzt kenne ich auch. Ist auch an sich ein netter Typ. Die11: Wie stehst du zu persönlichen Anfeindungen im VBT? Persteasy: Ich persönlich halte das für Quatsch. Ich würd’s auch nicht machen, weil das für mich nicht puncht. Ich battle gegen den Künstler und nicht gegen die Privatperson. Was die Person privat macht, interessiert mich nicht und eigentlich interessiert es auch den Großteil der Zuschauer nicht. Dessen bin ich mir relativ sicher. Deswegen habe ich das bisher nie gemacht, es sei denn, es wurde so gegen mich geschossen, dass ich zurückschießen musste. Dieser Realtalk-Kram gehört für mich nicht unbedingt in ein Battle. Die11: Kannst du dir vorzustellen, deine Karriere auf eine kommerzielle Ebene zu heben? Persteasy: Es geht jetzt langsam los mit Anfragen. Ich schaue mir das alles erst mal an und gucke, was da so kommt. Da ich mir mit der Masterarbeit noch ein bisschen Zeit lassen kann, habe ich im Moment auch Zeit, mich darauf zu konzentrieren. Jetzt besteht eben auch die Chance, daraus etwas zu machen. Mit der Kohle läuft es gerade auch ganz gut, weil sich die Shirts ganz gut verkaufen. Die11: Inwieweit würden sich die Inhalte deiner Tracks dann ändern? Persteasy: Das wird auf jeden Fall komplett durchmischt sein. Ich will ja kein Konzeptalbum oder sowas machen. Das wird eher so ein Mix und ich hab‘ auch schon ein paar Tracks fertig, die in eine andere Richtung gehen. Es werden aber auch wieder Battletracks dabei sein, schließlich komme ich aus dem Genre. Ich bin jetzt nicht der Typ, der seiner Ex-Freundin auf einem Track hinterherheult. Persönlichere Sachen könnte es aber schon geben. Die11: Wie finden deine Eltern deine Videos? Persteasy: (lacht) Mein Vater sieht sich die schon länger an und feiert das. Er meint halt immer, er verstehe die Texte nicht so ganz. Aber meine Eltern sind schon cool, die finden das alles gut. Meine Mutter mochte das Video aus der Hinrunde im Finale nicht so, aber die Rückrunde fand sie richtig gut.
Persteasy im Interview

Foto: Susann Meier

Die11: Was machst du, wenn du das VBT gewinnst? Persteasy: Ich überlege mir schon mal was für den Auftritt beim Splash! und vielleicht mache ich noch ein Streetvideo während der Kieler Woche. Aber erstmal geh‘ ich saufen. Google
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