Seefischmarkt
Paula Loske-Burkhardt       Dienstag,03.10.2017 | 19:05 Uhr

SeefischmarktMedienprojekt

Boote, Namen, Geschichten – Quattro

Dieser Beitrag ist als Teil einer Prüfungsleistung im Modul Medienprojekt entstanden. Als Teil der Prüfung im Sommersemester 2016 wurde er weder redaktionell bearbeitet noch redigiert. Er ist eine rein studentische, eigenständig erstellte Leistung.


Boote, Namen, Geschichten - Quattro


Als wir auf dem Steg ankommen, wartet Klaus-Peter Boock schon auf seinem Boot. Wobei von Warten eigentlich keine Rede sein kann. Während wir auf das Deck der Quattro klettern, verstaut der 63-Jährige seine Taschen und macht das Boot startklar. Direkt nach unserem Gespräch will er aufbrechen. Sein Ziel: die Segelweltmeisterschaften in Kopenhagen. Boock ist erfahrener Regattasegler, die Quattro seine treue Begleiterin.

Sein erstes Boot kaufte er vor 35 Jahren, seitdem folgten noch ein halbes Dutzend weitere Schiffe. Der Name „Quattro“ bezog sich damals auf seine vierköpfige Familie – heute ist der Name Boocks persönliches Markenzeichen und aus deutschen und internationalen Regatten nicht mehr wegzudenken.

In seiner Jugend hätte sich Boock nie vorstellen können, jemals in See zu stechen, da Freunde von ihm beim Segeln ums Leben kamen. „Danach hätten mich keine zehn Pferde auf ein Boot gekriegt“, erinnert er sich. Stattdessen galt seine Liebe lange Zeit dem Fußball. Einige Jahre später wollte das Schicksal es dann anders und Bekannte nahmen Boock schließlich doch mit zum Segeln. „Ich war sofort hin und weg“, erzählt er. Als Boock nach vielen Jahren ambitionierten Fußballspielens seinem eigenen sportlichen Anspruch nicht mehr gerecht wurde, war das Segeln schließlich die perfekte Ablöse, um weiterhin hochklassig Sport zu treiben.

Hauptberuflich ist Boock zwar Kaufmann für Schiffszubehör, doch während er erzählt, ist es der Sportler in ihm, der spricht: „Beim Segeln suche ich immer neue Herausforderungen.“ Obwohl er auch mit seiner Familie segeln geht, überwiegt der sportliche Aspekt für ihn schon immer. Mit den Jahren wurde dieser Schwerpunkt immer deutlicher. So wurde zum Beispiel das ehemalige Boot vor einigen Jahren gegen das neue ausgetauscht, weil es bessere Voraussetzungen für das Regattasegeln bietet.

Im SFS-Kiel e.V. kennt wohl jeder den geborenen Kieler. Dort sind er und sein Team nicht nur für ihre herausragenden sportlichen Leistungen bekannt, Boock ist außerdem auch erster Vorsitzender des Vereins. Mit inzwischen über 28 Jahren Amtszeit ist er der zweitlängste erste Vorsitzende aller Vereine der Kieler Förde. Boock hat auch maßgeblich an der Entstehung der Kieler Sporthafen GmbH mitgewirkt, deren Vorstandsvorsitzender er heute ist. Auf die Frage, ob das nicht eine Menge Arbeit sei, meint er nur: „Das ist letztendlich wie beim Segeln. Ich bin ja nicht alleine mit allen Aufgaben und Pflichten. Der Verein ist sozusagen mein Team und da hat jeder bestimmte Aufgaben, die er erfüllt. Manche kümmern sich zum Beispiel um Organisatorisches und ich halte eben die Reden.“

Auch was seine Fitness angeht, ist Boock nicht allein. Oft gehen er und seine Frau zusammen laufen, um die Ausdauer zu trainieren. „Ich muss nebenbei schon was tun, um beim Segeln vorne mithalten zu können“, gibt Boock zu. Es gilt also: Je fitter an Land, desto fitter auch auf dem Wasser.

Zum vierten Mal tritt Boock inzwischen für den SFS bei den Segelweltmeisterschaften an. Ein paar Tage nach den Meisterschaften beginnen zwar auch die olympischen Spiele in Rio de Janeiro, die interessieren Boock jedoch wenig. „Ich liebe Segeln, aber gerade deswegen schaue ich mir Wettkämpfe eher selten im Fernsehen an. Da bin ich lieber selber draußen auf dem Boot“, grinst er.

Zeit zum Aufbrechen, Kopenhagen ruft. Zur Verabschiedung gibt es einen kräftigen Handschlag, ein paar Sekunden später widmet sich Boock schon wieder voll und ganz den Vorbereitungen auf dem Boot. Es ist ein stimmiges Bild, das er da abgibt. Ein Sportler durch und durch: ambitioniert, fokussiert und mit der Bugspitze immer eine Handbreit voraus.

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