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Paula Loske-Burkhardt       Dienstag,03.10.2017 | 19:06 Uhr

HDWMedienprojekt

Boote, Namen, Geschichten – Punki

Dieser Beitrag ist als Teil einer Prüfungsleistung im Modul Medienprojekt entstanden. Als Teil der Prüfung im Sommersemester 2016 wurde er weder redaktionell bearbeitet noch redigiert. Er ist eine rein studentische, eigenständig erstellte Leistung.


Boote, Namen, Geschichten - Punki


Das platte „Mooin“, das Harry Grählert uns entgegen ruft, während er auf dem Hafengelände auf uns zuläuft, lässt keine Zweifel offen: Hier handelt es sich um einen Norddeutschen, wie er im Buche steht. Behände klettert Grählert mit uns auf sein Boot Punki, das in seinem Liegeplatz fröhlich in der Sonne hin- und herschaukelt. „Was zu Trinken, Wasser, Schorle?“, fragt der 79-Jährige und bleibt dabei so knapp und mit dem tiefen norddeutschen Dialekt zugleich so sympathisch, wie es nur ein echter Kieler kann.

Der Name des Bootes bezieht sich auf Grählerts Spitzname für seine jüngste Tochter Sabine. Für ihn war sie schon immer die kleine Punki. Wie er auf diesen Spitznamen gekommen ist, weiß er selbst nicht mehr. Warum das Boot aber ausgerechnet Punkis Namen trägt, weiß er noch genau. „Unser erstes Boot haben wir gekauft, da waren alle Kinder noch im Haus. Bei Wind und Wetter haben wir damals die Segel gehisst und den Kindern das Segeln damit ordentlich abgewöhnt“, dröhnt der dreifache Vater und inzwischen siebenfache Opa und lacht. „Punki hatte von den drei Kindern immer noch den meisten Spaß am Segeln, da war’s nur passend, das Boot nach ihr zu benennen.“

Während Grählert erst mit Ende 30 überhaupt an den Kauf eines Bootes dachte, war sein Leben schon lange vorher von der Schifffahrt geprägt. Als er 1953 die Schule verließ, zog der geborene Kieler los, um Seemann an der Schiffsjungenschule in Travemünde zu werden. So kam es, dass die See fortan gleichermaßen Beruf und Heimat für ihn wurde. Als Heirat und Familie schließlich Einzug in sein Leben erhielten, nahm Grählert einen Job in Kiel an und blickte für einige Jahre nur vom Festland aus auf das Wasser.

„Meine Familie und ich, wir wollten immer raus in die Natur und haben jahrelang Wanderurlaub in den Alpen gemacht. Irgendwann ist uns dann aufgefallen, dass wir die Natur hier doch direkt vor der Haustür haben“, erzählt Grählert. Kurze Zeit später ging dann das erste kleine Boot in den Besitz der Familie über. Liegeplatz war damals wie heute der Hafen in der Schwentinemündung in Dietrichsdorf.

Während viele Hobbysegler hauptsächlich skandinavische Gebiete ansteuern, hatte Grählert schon immer exotischere Ziele im Kopf. Als es der Ruhestand endlich zuließ, erfüllte er sich gemeinsam mit seiner Frau nach einigen Monaten der Vorbereitung einen lang aufgeschobenen Lebenstraum. Die zwei stachen im Juni 1999 in See, ihr Ziel: die Karibik.

14 Monate waren sie unterwegs, klapperten zunächst Großbritannien, Nordspanien, Portugal und schließlich die kanarischen Inseln ab, bevor sie dann im Dezember die 24-tägige Atlantiküberfahrt antraten. „Am Silvesterabend sind wir schließlich in Rodney Bay, Saint Lucia eingelaufen, das werde ich wohl nie vergessen“, schwelgt Grählert in Erinnerungen. Die Reiselust lässt ihn seither nicht mehr los. Nur ein Jahr, nachdem sie von ihrem großen Abenteuer wiederkamen, besegelte das Ehepaar noch für weitere drei Jahre das Mittelmeer. Grählert ist froh, dass er auf Reisen stets seine Frau an seiner Seite hat, auch wenn diese öfter die traute Heimat vermisst als er. „Das ist ne ganz patente Frau“, lächelt er. Und aus norddeutschem Munde ist das wirklich ein fast unverschämtes Kompliment.

Auch wenn das Segeln einen großen Teil seines Lebens einnimmt, hat Grählert bis heute auch Spaß am Wandern. Durch eine Bekannte kam er auf die Idee, auf dem Jakobsweg zu pilgern – und so zog er 2008 mit seiner ältesten Enkelin Sonja und seiner Frau los. Fast 250 Kilometer legten sie gemeinsam zu Fuß zurück und haben damit ein Abenteuer mehr erlebt, von dem viele andere nur träumen.

Abenteuerlust bringt zwar immer eine gewisse Risikobereitschaft mit sich, aber das tut Grählert mit einem Kopfschütteln ab: „Das ist beim Wandern oder Segeln letztendlich nicht anders als mit allem im Leben. Brenzlige Situationen bleiben nicht aus. Da heißt es einfach: Angriffsfläche für den Gegenwind verkleinern, alles festhalten, was einem wichtig ist und dann: Augen zu und durch!“

Die Punki
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